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Jugendkonflikthilfe

Staatssekretär Dr. Rudolf Kriszeleit bei JUKO Marburg: Hilfe für den Täter ist der beste Schutz für die Opfer

Der Staatssekretär im Ministerium der Justiz, für Integration und Europa, Dr. Rudolf Kriszeleit, besuchte am Mittwoch den Verein JUKO Marburg e.V., um die Arbeit der Beratung gegen häusliche Gewalt zu würdigen.

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v.l.n.r. Carsten Degner (STOP-Trainer/Mediator), Claudia Schäfer (Frauenbeauftragte Landkreis Marburg-Biedenkopf), Maria Flohrschütz (Geschäftsführung), Bernhard Schroer (Vorstand Juko Marburg e.V.), Dr. Rudolf Kriszeleit (Justizstaatssekretär), Kerstin Reckewell (Leitende Oberstaatsanwältin, Staatsanwaltschaft Marburg), Annemarie Wied (Staatsanwältin, Staatsanwaltschaft Marburg)
© HMdJIE

Dr. Kriszeleit überreichte der Geschäftsführerin Maria Flohrschütz  einen Zuwendungsbescheid über 12.000 Euro. „Die Opfer von häuslicher Gewalt schützen wir am besten, wenn wir dem Täter die Gewalttätigkeit abtrainieren. Den Frauen, denen Gewalt angetan wird, und den Kindern, die Gewalt erleben müssen, helfen wir am besten, wenn wir dem Täter beibringen, wie er seine Aggressionen in den Griff bekommt“, sagte Staatssekretär Dr. Kriszeleit.

Gemäß der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) wurden laut Staatssekretär in 2011 in Hessen 7.562 Fälle häuslicher Gewalt registriert. Betroffen waren 7.624 Opfer (86,8 Prozent weiblich und 13,2 Prozent männlich). Von den 6.354 Tatverdächtigen waren 86,7 Prozent männlich und 13,3 Prozent weiblich. Im Dunkelfeld seien weit höhere Fallzahlen zu vermuten, so Dr. Kriszeleit. Eine Studie zur „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ kam zu dem Ergebnis, dass jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren mindestens einen körperlichen und/oder sexuellen Übergriff durch einen aktuellen und/oder früheren Partner erlebt habe.

„Das Erlernen des Täters, Konflikte zur Vermeidung von Wiederholungstaten verbal zu lösen, ist mithin Opferschutz für aktuelle und zukünftige Partner. Um den Opferschutz auch über diesen Ansatz auszubauen, werden Täterberatungsstellen, die ein konzeptionell ausgewiesenes Arbeitsgebiet ‚Täterarbeit/häusliche Gewalt‘ haben, finanziell gefördert. Wir haben erstmals im Haushaltsplan 2013/2013 jeweils 100.000 Euro zusätzlich eingestellt. Der Verein JUKO Marburg erhält in diesem Jahr für soziale Trainingsmaßnahmen mit Tätern in Fällen häuslicher Gewalt daraus eine Zuwendung in Höhe von 12.000 Euro“, so Staatssekretär Dr. Kriszeleit.

Täterarbeit ist ein Unterstützungs- und Beratungsangebot zur Verhaltensänderung für in Partnerschaften gewalttätige Männer und dient primär dem Opferschutz. Kernziel ist die Beendigung der Gewalt. Täterarbeit ist weder mit Psychotherapie noch mit klassischer psychosozialer Beratung gleichzusetzen. Vielmehr handelt es sich um ein zeitlich begrenztes kognitiv-verhaltensorientiertes Programm, das gewaltzentriert und konfrontativ arbeitet. Die Zielgruppe sind erwachsene Männer, die gegenüber ihrer (Ex-) Partnerin gewalttätig geworden sind. „Mit ihnen wird die Selbstbeherrschung geübt, dass sie lernen, nicht zuzuschlagen, dass eben Gewalt kein Mittel der Auseinandersetzung ist“, so Staatssekretär Dr. Kriszeleit.

„Die Kandidaten suchen selbst Hilfe bei der Beratungsstelle oder werden durch Staatsanwaltschaft oder Gerichte zugewiesen. Täterarbeit versteht sich als Bestandteil der Interventionskette gegen häusliche Gewalt und findet in Kooperation und Vernetzung mit den zuständigen Institutionen wie Polizei, Justiz, Opferunterstützung, Jugendhilfe etc. statt.“

Hintergrund

Die JUKO Marburg und das Projekt „STOP“

Die JUKO Marburg ist ein 1986 gegründeter gemeinnütziger Verein mit Sitz in Marburg. Der Name des Vereins leitet sich aus seinen beiden Arbeitsfeldern ab: Jugendkonflikthilfe und Jugendkompetenznetzwerk. Die Abteilung Jugendkompetenznetzwerk hat den Auftrag, Jugendliche und Erwachsene beruflich und persönlich so zu fördern, dass eine Integration in den Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt gelingt und die Bereitschaft zum Lernen wieder geweckt oder gesteigert wird. Die Abteilung Jugendkonflikthilfe umfasst insbesondere die flexiblen ambulanten Erziehungshilfen sowie Hilfen für junge Straffällige – aber auch für straffällig gewordene Erwachsene. Die Bereiche Mediation, Täter-Opfer-Ausgleich, Gewaltprävention und verschiedene Formen sozialer Arbeit an Schulen sind ebenfalls in dieser Abteilung angesiedelt.

Bereits seit vielen Jahren betreibt die JUKO Marburg erfolgreich das Projekt „STOP-Training“ (Soziales Training Opferschutz und Prävention). Es handelt sich um ein Gruppentraining für Täter häuslicher Gewalt.

Zielgruppe des Trainings sind:

  • Männer, die in der Familie oder Lebensgemeinschaft Gewalt gegenüber der Partnerin, den Kindern oder anderen Familienmitgliedern ausgeübt haben
  • Männer, die früher in Situationen und Auseinandersetzungen im häuslichen System Gewalt ausgeübt haben und denen es bisher noch nicht gelungen ist, ihre Verhaltensmuster hin zur Gewaltfreiheit zu verändern.

Ziele des Trainings sind (u. a.):

  • Reduktion aller Formen von Gewalt innerhalb des häuslichen Systems
  • Verantwortungsübernahme des Täters für seine begangenen Taten
  • Empathieentwicklung für das Opfer und Differenzierung der Selbstwahrnehmung
  • Erlernen von Selbstdisziplin, die Vermeidung von körperlichen Konflikten und die Gewaltreduzierung
  • Betroffenen Familien und ihren Kindern kurz- und langfristig Unterstützung bei der Verhinderung erneuter Gewalttaten ihrer Partner zu ermöglichen.

In diese Trainingsmaßnahme können pro Jahr ca. 40 Personen aufgenommen werden. Angesprochen wird ein Personenkreis, der durch zahlreiche Strafanzeigen auffällt, die von den Opfern jedoch häufig wieder zurückgezogen werden – Ein Kreislauf mit arbeits- und kostenintensiven Verfahrensabläufen, die in der Regel erfolglos bleiben. Der Ansatz beim Täter und die Zusammenarbeit mit den Opfern ist daher ein vielversprechender Weg für eine grundsätzliche Problemlösung.

 

 

 

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecher: 
Dr. Hans Liedel